Persische Lebensart mit allen Sinnen


Manfred Wöstmann, Leiter des Conviviums Münster/Münsterland von Slow Food Deutschland, ist es gewöhnt, dass die Slowfood-Veranstaltungen stets gut besucht sind. So war auch unsere Reise durch die Länderküche Persiens am Montagabend mit 52 Personen komplett ausgebucht. Jalalledin und ich haben uns natürlich wieder riesig über diese positive Resonanz gefreut. Im Restaurant Hafez entführten wir unsere Gäste für einen Abend nach Persien, in das Land der Märchen und Dichter.

Zunächst gingen wir zurück in unsere eigene Vergangenheit, berichteten über unsere erste Berührung mit der jeweils anderen Kultur. Ich hegte durchaus Vorurteile den orientalischen Männern gegenüber, als ich Jalalledin das erste Mal begegnete, wurde aber nach kurzer Zeit eines besseren belehrt. Jalalledin hingegen hatte einen guten Eindruck von Deutschland und den Deutschen, waren doch Beckenbauer und Co. seine Vorbilder während der Fußball-WM 1974. Mit dem westfälischen Pumpernickel konnte er sich hingegen nicht so schnell anfreunden.

So berichteten wir, wie wir nach einer langen gemeinsamen Reise den Weg in die Selbstständigkeit wagten und wie die Idee entstand, Trockenfrüchte und Nüsse von persisch bis westfälisch zu verkaufen. Um Trockenfrüchte und Nüsse ging es an diesem Abend jedoch nur am Rande, auch, wenn diese häufig Verwendung in der persischen Küche finden. Walnuss-Granatapfelsauce, Rosinen-Linsen-Reis, Lammfleisch mit Pflaumen, so ließe sich die Liste noch lange weiterführen.

Am Montagabend jedoch fanden die neugierigen Genießer Trockenfrüchte nur im Berberitzen-Reis. Dass die persische Küche sehr vielseitig ist und mit unserer deftigen Kost in Westfalen nichts gemein hat, erfuhr ich bereits während meiner ersten Einladung bei Jalalledin und seinen Schwestern in Paris. Bei uns zu Hause gab es jeden Tag Kartoffeln. Ich mochte aber keine Kartoffeln, sondern viel lieber Reis. So waren mir die Perser mit ihrem köstlichen persischen Reis (in meinen Augen ist es der leckerste weltweit) und den leckeren Kräutern und würzigen Gemüsebeilagen auf Anhieb sympathisch.

Wie erwartet, waren auch die Gäste des Abends begeistert von den 15 ausgefallenen Gerichten, die Faraz Azbari, Chefkoch und Inhaber des persischen Restaurants Hafez in Münster, auftischte. Viele fragten nach dem Rezept zum persischen Reis. Azbari erklärte ihnen geduldig die Zubereitung: „Unser Reis wird mit viel Liebe und Ausdauer gedämpft. Nur deshalb ist er so körnig. Safran und Berberitzen tragen zum köstlichen Aroma und zur leuchtenden Farbe bei.“ Dazu gab es viel Gemüse, Kräuter, Lamm- und Hähnchenfleisch. Die persische Küche sei nicht scharf, wie die indische, und auch Knoblauch finde nur in Maßen Verwendung, so klärte Jalalledin die Gäste über die persische Küche auf.

Die Westfalen erfuhren nicht nur Neues über persisches Essen. Jalalledin war es auch wichtig, seinen Zuhörern Wissenswertes über persische klassische Musik oder über die persische Dichtkunst zu erzählen. Schon Goethe war ein großer Verehrer von Hafez und der persischen Dichtkunst. Im Iran ist es üblich alte Gedichte zu lernen. Jeder Perser kennt Gedichte auswendig und weiß, zumindest ein wenig, über traditionelle Musik. Auch, wenn klassische persische Musik vom Islam Jahrhunderte lang unterdrückt wurde, so erlebt sie heute wieder eine Renaissance.

Als Dessert bekamen unsere Gäste eine unserer schönen, mit Gedichten bedruckten, Papiertüten, gefüllt mit ausgewählten Trockenfrüchten und Nüssen aus Persien. Die Datteln, Walnüsse, Rosenmandeln und schokolierte Zimtmandeln passten hervorragend zum persischen Tee mit Kardamom.

Hinterlasse eine Antwort

Keine Angst vor Datenmissbrauch: Der gesamte Bestellvorgang ist durch SSL-Verschlüsselung absolut sicher.