Flexitarier – was ist das denn schon wieder?

Das Thema Ernährung begleitet mich aus gesundheitlichen Gründen schon viele Jahre und ich habe den Eindruck, dass ich zunehmend den Überblick verliere, angesichts der vielen Theorien und Lehren. Sollten wir auf Käse verzichten oder / und auf Getreide, auf Nachtschattengewächse oder Hülsenfrüchte …? Jede/r Ernährungsexperte hat eine andere wissenschaftlich fundierte Meinung dazu.

Neuerdings taucht in verschiedensten Zeitschriften ein neuer Begriff auf: „Fle­xi­ta­ri­er“. Schon wieder eine Schublade. Für alle, die den Begriff noch nicht kennen, hier ein erklärender Film auf niederländisch (für westfälische Leser dürfte das kein Problem sein)

oder eine Definition der Deutschen Gesellschaft für Ernährung:

Fle­xi­ta­ri­er sind flex­i­ble Ve­ge­tar­i­er, die zwar ge­ner­ell Fleisch es­sen, dies a­ber nicht täg­lich o­der re­gel­mäß­ig tun. Stren­ge Re­geln zum Aus­maß des Fleisch­ver­zichts gibt es da­bei nicht. Ih­re Ge­mein­sam­keit­en: Fle­xi­tar­i­er le­gen be­son­ders viel Wert auf den Tier­schutz und die Qua­li­tät der Nahr­ung. Ne­ben Um­welt­as­pek­ten spielt wie bei an­der­en For­men des Ve­ge­tar­is­mus auch ein ver­stärk­tes Ge­sund­heits­be­wusst­sein ei­ne wicht­ige Rol­le.

In diese Schublade könnte ich auch passen. Ich esse gerne und viel Gemüse, natürlich bio, auf Fleisch verzichte ich ungern, aber wenn, dann am Wochenende und nachhaltig aus der Region - und - natürlich stehen auch Trockenfrüchte und Nüsse auf unserer alltäglichen Speisekarte.

Hmm, aber irgendwie stört es mich in eine Schublade geworfen zu werden. Ernährung entwickelt sich  immer mehr zu einer Ideologie. Es gibt jedes Jahr neue Richtungen: Metabolic balance, Vegetarier, Veganer, Fructarier, Vollwertler, Rohköstler bis neuerdings hin zu den Steinzeitköstlern. Jede Gruppe scheint das Recht für sich gepachtet zu haben und je extremer, desto mehr wird verächtlich auf all diejenigen geschaut, die sich nicht „richtig“ ernähren. So verfolge ich es zumindest im Internet.

In jungen Jahren war ich selber ziemlich verbissen in vielen Dingen und versuchte stets konsequent zu handeln, in dem was ich vertrat. All die, die Auto fuhren, waren für mich Umweltsünder. Unsere beiden Kinder kamen in den Genuss von Baumwollwindeln und ich habe regelmäßig selber Vollkornbrot aus frisch gemahlenem Mehl gebacken. Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass mich dieses vermeintlich konsequente Handeln auf Dauer ganz schön stresste und depressiv machte. Ich entwickelte Wut auf all diejenigen, die nicht konsequent waren. Das machte mich handlungsunfähig und ließ mich zwischenzeitlich resignieren. Auch meine Gesundheit litt darunter. Ich begann mein Leben zu hinterfragen und wollte etwas verändern. So fing ich an bewusst, auch mal ohne schlechtes Gewissen „inkonsequent“ zu handeln. Welch wohltuende Wirkung. Ich konzentrierte mich zunehmend auf die schönen Dinge des Lebens und die guten Seiten meiner Mitmenschen. Ich bekam wieder neuen Lebensmut und zunehmenden Tatendrang. Vor allem die Arbeit mit Kindern während meiner Zeit als Umweltpädagogin gab meinem Leben eine neue Ausrichtung.

Ja -  und was die Ernährung angeht: Ich liebe gutes, gesundes und ursprüngliches Essen,  lass mich aber auch hin und wieder mal „verführen“. Wenn ich über den Weihnachtsmarkt schlendere und der Geruch von leckerer Bratwurst in meine Nase steigt, dann muss ich eine essen, obwohl ich weiß, dass diese sicher aus der Massentierhaltung stammt.

Aber ich sehe auch viel Positives in der Bewegung und enormen Vielfältigkeit, die die Nahrungsmittelbranche z.Z. durchlebt. Die Rezepte und Produkte werden immer kreativer und besser und es fällt heute eigentlich nicht mehr schwer auf Fleisch zu verzichten. Mit tollen Gewürzen und Kräutern und wenig Geld können in minutenschnelle gesunde und schmackhafte Gerichte gezaubert werden. Das begeistert mich jeden Tag von Neuem und bestätigte sich kürzlich auch, als wir uns auf der Biofachmesse inspirieren ließen. Meine Freude teile ich auch mit den zahlreichen Allergikern, für die es inzwischen unendlich viele köstliche Alternativen gibt. Unbestritten ist nicht zuletzt, dass wir mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung vielen Krankheiten vorbeugen können. Eine weitere positive Seite dieser Entwicklung ist auch, dass  immer mehr Menschen auf die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft und die damit einher gehende Massentierhaltung reagieren, und das ist gut so.

Was für uns ausgewogen und richtig ist, dass sollten wir lernen, selber zu erspüren. Das Wichtigste in meinen Augen ist - und das muss ich mir selber auch jeden Tag von neuem hinter die Ohren schreiben – das Essen dankbar, bewusst und mit Freude zu genießen, auch die Bratwurst oder Pommes. Wenn man es dann noch schafft, bio und regional und frisch zu essen, umso besser.

Und hier der Link zu unserer sympathischen Expertin in Sachen Ernährung : www.bauchgefuehlt.de

Sabine Vaaßen hilft Menschen, den Weg zur eigenen Intuition, zum Bauchgefühl wieder zu finden.

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