Eine Westfälin über Westfalen und seine Einwohner

Bis vor kurzem wusste man über Münster höchstens: Entweder es regnet oder es läuten die Glocken. Und wenn beides zusammenfällt, dann ist Sonntag.  Mit dem Film „Alle Jahre wieder“ haben die Schamonibrüder dem in den Sechziger Jahren eher provinziellen Münster ein Denkmal gesetzt. Der Film prägte für Jahrzehnte das Bild vom weihnachtlichen Münster und wurde mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Alle Jahre wieder wird dieser herrliche Film auch zu Weihnachten in Münsters Kinos gezeigt.

Dieser Ausschnitt aus dem Film zeigt den Volksschauspieler Busso Mehring als Museumswächter. Er beschreibt in typisch westfälischer Weise den typischen Westfalen. Sehr originell und sehenswert :)

Da es immer wieder Stimmen gibt, die sich über die Westfalen mokieren, bin ich dem Wesen der Westfalen mal auf den Grund gegangen.

Ich bin selber Westfälin, habe mich aber in meiner Jugend nicht bewusst mit meinen westfälischen Wurzeln identifiziert. Meine ersten Heimatgefühle entstanden im Ausland. Während eines einjährigen Aufenthaltes in Paris kam schon nach einigen Wochen Heimweh auf. Ich hatte Sehnsucht nach der Idylle des Münsterlandes, nach Mutters Erbsensuppe und Pumpernickel. Am meisten aber sehnte ich mich nach meinem Fahrrad. Als Münsteranerin bin ich auf dem Rad geboren. Mein Fahrrad bedeutet auch heute noch für mich Freiheit und ein Stück Heimat.

Während meines Studiums der Geographie intensivierte sich mein Verhältnis zu meiner Heimat Westfalen. Ich erfuhr, dass mein Name typisch westfälisch ist. Auf dem Linnenbrink (einer Wiese in einer westfälischen Siedlung) wurden früher die Leinentücher in der Sonne geblichen. Auch das im Studium erlernte Wissen um ihre Entstehung und Geschichte ließ mich mit meiner westfälischen Heimat zusammenwachsen.

Pumpernickel war unbedarfter Weise in meinem ersten Geschenkpäckchen an Jalalledin. Er lebte damals noch in Frankreich. Als Fladenbrot- und Baguette-Esser wusste er mit der eher unscheinbaren Spezialität nichts anzufangen. Er empfand sogar Mitleid mit uns Deutschen. Heute mag er nicht nur Pumpernickel. Sauerkraut mit Kartoffelpüree und Kassler gehört inzwischen zu seinen Lieblingsgerichten.

Jalalledin brauchte einige Zeit, um sich an die Westfalen zu gewöhnen. Im Laufe der Jahre hat er ihren drögen Humor und ihre Direktheit jedoch schätzen gelernt und viele seiner westfälischen Kunden lieb gewonnen. Denn - dass weiß er nun - wenn man mit einem Westfalen den ersten Sack Salz gegessen hat, dann ist er der beste Freund.

Annette von Droste Hülshoff schreibt in einem ihrer Romane: Ich bin ein Westfale und zwar ein Stockwestfale, nämlich ein Münsterländer. In den "Schilderungen" der Droste kommen die Münsterländer ausgesprochen günstig weg. Die Menschen des Sauerlandes und des Märkischen Landes hingegen kritisiert sie als kühl berechnend und ehrgeizig.

Karl Wagenfeld, ein westfälischer Heimatdichter, umschreibt den Charakter des Münsterländers folgendermaßen: Noch heute ist der Münsterländer deutlich erkennbar wesensverwandt seiner Erde. Dieser weiten Ebene, diesem stillen und starken Behagen der Landschaft, dieser Abgeschlossenheit seiner Einzelsiedlungen. Der harte Dienst an der nicht selten durch Jahrhunderte hindurch vererbten Scholle hat ihn geformt. Ohne Kleinlichkeit, ohne Ziererei, selbstbewusst und eigenwillig bis zu der zwar  berüchtigten, aber mitunter doch so prächtigen westfälischen Dickköpfigkeit sind diese Münsterländer. Auch in ihrer Gemütstiefe unter rauher Schale, ihrer Neigung zum Mystischen sind sie Kinder ihrer verträumten Heimaterde.

Voltaire wusste: Westfälische Menschen sind von großer Sanftmut, und ein gesundes Urteil entsteigt der Arglosigkeit ihrer Herzen. Leider aber verbindet sich die Wärme ihres gütigen Charakters mit der Rückständigkeit der sonstigen Verhältnisse.

In einem Umzugsratgeber fand ich:

Die Menschen in Westfalen gelten als bodenständig, ruhig und strebsam. Sie stehen in dem Ruf, diese Eigenschaften gelegentlich zu einer gewissen Sturheit ausarten zu lassen..

Heinrich Heine beschreibt die Westfalen in seinem Wintermärchen mit einer Portion Ironie.
Folgenden Ausschnitt daraus haben wir auf unsere Papiertüten drucken lassen:

Die guten Westfalen

 

Mein Fazit:

Wie man sieht, gibt es nicht nur eine Sichtweise. Ist es nicht wunderbar, dass wie alle so unterschiedlich sind? In der Vielfalt liegen Reiz und Würze. Nur mit Respekt, Neugier und Humor entsteht Verständnis für einander.

Ich liebe mein Westfalen, fühle mich aber auch in vielen anderen Gegenden wohl. Heimat ist für mich dort, wo ich gute Freunde und ein harmonisches Umfeld finde.

Münster ist heute übrigens nicht mehr das verschlafene Nest meiner Kinderjahre. Es ist international, lebendig und jung.

Internationales Flair erleben wir zum Beispiel jede Woche auf einem der schönsten Märkte Europas, dem Münsteraner Wochenmarkt. Dort stehen und verstehen sich 150 Händler - alteingesessene Westfalen neben temperamentvollen Orientalen.

 

 

 

 

Hier noch einmal der Trailer des Filmes "Alle Jahre wieder"

 

und die Kinotermine in Münster:

MI 17.12.14 um 19:00 Uhr, Mo 22.12.14 um 19:00 Uhr und So 28.12.14 um 11:00 Uhr im Schloßtheater

 

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