Mein Weg nach Westfalen

Als 15-jähriger richtete ich meinen Blick zum ersten Mal bewusst in Richtung Deutschland. Mein Ohr fest ans Kofferradio gepresst, verfolgte ich gebannt Beckenbauer auf seinem Weg zum Tor. Deutschland war mein Favorit während der Weltmeisterschaft 1972. Dann kam 1974 die Olympiade in München. Irgendwie mochte ich die Deutschen und habe mir insgeheim gewünscht, mal nach Deutschland zu reisen. Dass mein Wunsch tatsächlich in Erfüllung gehen sollte, wagte ich nicht zu glauben.
Zunächst führte mich der Weg aber erst einmal nach Frankreich. Während der iranischen Revolution 1978 folgte ich meiner älteren Schwester nach Paris. Studieren wollte ich dort Mathematik und Physik. Aber schon während des Sprachkurses wurde ich von meinem Ziel abgelenkt – von einer jungen Deutschen.
Nach einem Jahr kehrte die junge Deutsche wieder zurück in ihre Heimat nach Münster. München, Hamburg und Berlin, diese Städte sagten mir etwas, aber Münster…?. Ich wollte es kennenlernen. So besuchte ich meine deutsche Freundin und ihre Familie. Zunächst wurde ich etwas misstrauisch beäugt. Ich sprach kein Deutsch und war irgendwie fremd für die Westfalen. Trotzdem entschied ich mich im März 1981 zu bleiben. Ich lernte die deutsche Sprache und kurz drauf heiratete ich meine Freundin.
Nachdem ich einige Jahre als Ingenieur gearbeitet hatte, merkte ich, dass mir etwas fehlt. Ich wollte heraus aus dem Labor, mit Menschen kommunizieren.
Ich suchte nach einer Arbeit, die mich meiner Heimat näher bringen sollte. Denn, auch, wenn ich mich in Deutschland meistens wohl gefühlt habe, so ist da doch immer wieder die Sehnsucht nach meiner Heimat, nach meiner Familie dort.
Nach gemeinsamer Suche kamen wir auf unsere Geschäftsidee.
Auf dem Wochenmarkt in Münster verkaufen wir nicht nur Trockenfrüchte und Nüsse, wir verkaufen Geschichten, Kultur und ein Lebensgefühl. Das war mir immer wichtig.
Auch wenn die Arbeit als Marktbeschicker manchmal etwas beschwerlich ist, so bin ich glücklich, etwas gefunden zu haben, das mich ausfüllt, eine Arbeit mit einem tieferen Sinn.



